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26. Januar 2017

Startup-Finanzierung mit Investoren: Das sollte man wissen – Ein Überblick

Es ist kein Geheimnis, dass die Finanzierung des eigenen Startups nicht nur aus eigenen Mitteln (häufig als Bootstrapping bezeichnet) möglich ist. Häufig sind die eigenen Mittel beschränkt und Bankkredite liegen noch in weiter Ferne. Die Reihe zur Startup-Finanzierung mit Investoren beschäftigt sich mit wirtschaftlichen und rechtlichen Themen, die Startups kennen sollten, wenn sie mit Investoren zusammmenarbeiten wollen.

Die erste Ausgabe dieser Reihe dient dem Überblick über das Thema. In dieser sollen die wesentlichen Aspekte der Finanzierung mit Investoren dargestellt und miteinander verknüpft werden.

Finanzieren mit Investoren – Darauf kommt es an

Wenn man sich mit der Unternehmensfinanzierung durch Investoren auseinandersetzt, sollte man sich einen Überblick über die nachfolgenden Themenbereiche verschaffen:

  • Investorentypen: Wer kommt als Investor in Betracht? Welche Motivation haben diese Investoren und welche Erwartungshaltung resultiert daraus?
  • Finanzierungsinstrumente: Auf welche Art und Weise wird Kapital bereitgestellt?
  • Finanzierungsprozess: Welche Etappen müssen von der Kontaktaufnahme bis zur Bereitstellung des Geldes absolviert werden? Wie lange dauert die Kapitalaufnahme?
  • Vertragliche Dokumentation: Welche Vertragswerke begleiten die Finanzierung?
  • Typische vertragliche Regelungen: Mit welchen Inhalten ist bei den Vertragswerken zu rechnen?

Investorentypen – Wer sie sind und was sie wollen

Als „Investor“ betrachten wir allgemein all diejenigen Personen bzw. Institutionen, die Unternehmen Kapital bereitstellen und dabei ein Risiko des Totalverlustes des eingesetzten Kapitals in Kauf nehmen. Als Gegenleistung für dieses Risiko erwarten die Investoren keine feste Verzinsung sondern eine Beteiligung an der Chance des Unternehmens, d.h. an dessen Ertrag und in der Regel auch an dessen Wert(steigerung).

Auch wenn diese abstrakte Übereinstimmung der Merkmale besteht, sind die Unterschiede zwischen den einzelnen Investorentypen gravierend und damit auch entscheidend für die Auswahl des richtigen Investors. Die Unterschiede liegen insbesondere in der Renditeerwartung, der Höhe der Finanzierung, den Mitspracherechten sowie weiteren Unterstützungsleistungen. In die Kategorien Investoren lassen sich einordnen:

  • FFF (Family, Friends & Fools)
  • Business Angel
  • Venture Capital-Gesellschaften
  • Corporate Venture Capital-Gesellschaften
  • Accelarator-Programme
  • Strategische Investoren
  • Crowd (sog. Crowdfunding oder besser gesagt Crowdinvesting)

Finanzierungsinstrumente – So wird Kapital bereitgestellt

Kernelement der Unternehmensfinanzierung mit Investoren ist die Zuführung von frischem, haftendem Kapital in die Gesellschaft. Unter solchen Kapitalmitteln werden Eigenkapital (z.B. die klassische Einlage eines Gesellschafters oder eine Zuzahlung in die Kapitalrücklage) oder mezzanines Kapital (z.B. Genussrechte oder Nachrangdarlehen) verstanden. Die Art der Zuführung hängt häufig mit dem Investorentyp zusammen. So übernehmen z.B. Venture Capital-Gesellschaften i.d.R. Geschäftsanteile an einer Gesellschaft, zahlen auf diese den Nennbetrag und leisten darüber hinaus eine Zuzahlung in die Kapitalrücklage der Gesellschaft.

Die Art der Bereitstellung von Kapital hat großen Einfluss auf die Position des Investors in der Gesellschaft und seine damit einhergehende Einflussnahme. Von der Art der Bereitstellung hängt aber auch die Ausgestaltung der vertraglichen Regelungen ab.

Finanzierungsprozess – Von der Kontaktaufnahme bis zur Zahlung

Bei der Finanzierung mit Investoren sind eine gute Vorbereitung und der Faktor Zeit wesentliche Umstände, die Startups einbeziehen sollten. Der gesamte Prozess der Finanzierung inklusive Vorbereitung kann schnell ein Jahr einnehmen. Aber auch der Zeitraum zwischen der Kontaktaufnahme zu dem letztendlichen Investor und der Einzahlung des Kapitals beträgt selten weniger als drei bis sechs Monate. Dabei folgen insbesondere institutionelle Investoren wie Venture Capital-Gesellschaften aber auch regelmäßig investierende Business Angel im Investitionsprozess einem mehr oder weniger starren Schema. Typische Schritte im Finanzierungsprozess sind:

  • Erste Prüfung der eingereichten Unterlagen durch den Investor (Pitch Deck, Business Plan)
  • Indikative Unternehmensbewertung
  • Letter of Intent / Term Sheet (Festlegung der Eckdaten der Investition)
  • Due Diligence Prüfung
  • Verhandlung der Vertragsdokumentation auf Basis des Term Sheets und der Ergebnisse der Due Diligence

Vertragliche Dokumentation – Welche Unterlagen man braucht

Salopp gesagt kann bei der Finanzierung mit Investoren die vertragliche Dokumentation zwischen einigen wenigen Seiten und einem DIN A-4 Ordner unterschiedliche Ausmaße annehmen. Dies hängt in besonderem Maße vom Investorentyp ab. So verfügen z.B. Venture Capital-Gesellschaften i.d.R. über eine umfangreiche und standardisierte Vertragsdokumentation, während die Vertragswerke bei Business Angels in Inhalt und Umfang höchst unterschiedlich sein können. Bei dem Investorentyp Familiy & Friends wird – zu Unrecht – häufig auf vertragliche Regelungen gänzlich verzichtet, während Crowdinvesting-Plattformen bereits ein vordefiniertes und nicht modifizierbares Beteiligungskonstrukt und entsprechende Dokumente liefern.

Das Gesamtportfolio potentiell in Betracht kommender Dokumente – wobei Bezeichnungen abweichen können – erstreckt sich auf die folgenden:

  • Beteiligungsvertrag (Investment Agreement)
  • Gesellschaftervereinbarung (Shareholders´ Agreement)
  • Gesellschaftsvertrag (GmbH, UG) / Satzung (AG)
  • Geschäftsführeranstellungsvertrag
  • Side Agreements (z.B. Gesellschafterdarlehen, Schutzrechtevereinbarung, Mitarbeiterbeteiligung)

Vertragliche Regelungen – Von tag alongs und drag alongs

Ähnlich wie bei der Vertragsdokumentation ist auch der Einsatz spezieller Vertragsregelungen in besonderem Maße vom Typ des Investors abhängig. Häufig vorkommende Regelungen bei der Finanzierung mit Investoren haben meistens den Zweck,

  • den Status Quo des Unternehmens bei Eingehung der Beteiligung festzuhalten (z.B. Garantien der Gründer);
  • die Mitbestimmung des Investors während der Zeit seiner Beteiligung zu normieren (z.B. Zustimmungsrechte);
  • die Mitwirkung der Gründer an der weiteren Entwicklung der Gesellschaft abzusichern (z.B. Vesting-Klauseln oder Nebentätigkeits- und Wettbewerbsverbote);
  • Regelungen zum Wechsel im Gesellschafterkreis festzuschreiben (z.B. Verfügungsbeschränkungen, Vorkaufsrechte) und / oder
  • die Beendigung des Engagements des Investors (sog. Exit) und seine wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu regeln (z.B. Mitverkaufsrechte und -pflichten, Erlösvorzug).

Interessen sichern – Vertrauen erhalten

Eine wesentliche Herausforderung bei den Verhandlungen und der vertraglichen Absicherung der Finanzierung liegt im Spannungsfeld zwischen der rechtssicheren Absicherung eigener Interessen und der zukünftigen Zusammenarbeit. Dieses Spannungsfeld kann auch mit den Schlagworten „Interessen sichern aber Vertrauen erhalten“ beschrieben werden. Besonders deutlich wird dies, wenn man die Konstellation bei der Finanzierung mit Investoren mit der Konstellation des Verkaufs eines Unternehmens vergleicht. Beim Unternehmensverkauf erfolgt nach dem Abschluss des Vertrages nur noch der Austausch von Geld gegen Inhaberschaft des verkauften Unternehmens. Der Käufer erwartet, dass er ein Unternehmen erhält, wie es im Kaufvertrag beschrieben war, folglich einen mit der Beschreibung korrespondierenden Wert. Der Verkäufer erwartet die Kaufpreiszahlung. Bei der Finanzierung mit Investoren ist der Leistungsaustausch mit Vertragsunterzeichnung noch nicht abgeschlossen. Erst nach der Vertragsunterzeichnung muss unter Verwendung des Finanzierungsbeitrags des Investors ein Wert aufgebaut werden. Nur dann ist der Finanzierungsbeitrag des Investors für den Unternehmer wertvoll und für den Investor gut investiert. Die Vertragsunterzeichnung und auch der Weg dahin sollten diesen Umstand nicht außer Acht lassen!

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