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28. September 2017

Investorentypen – Wer interessiert sich für mich? Wer passt zu mir? – Corporate Venture Capital Gesellschaften

Wenn sich Startups mit der Finanzierung durch Investoren beschäftigen, sollte eine der ersten Fragen sein: welche Investorentypen kommen für mich überhaupt in Betracht? Wer interessiert sich für mich? Aber auch: wer passt zu mir? Wenn man an dieser Stelle seine Hausaufgaben nicht richtig macht, ist die Suche nach dem Geld zum Scheitern verurteilt.

In diesem Teil der Reihe zur Unternehmensfinanzierung mit Investoren werfen wir einen detaillierten Blick auf Corporate Venture Capital Gesellschaften.

Corporate Venture Capital-Gesellschaften

Als Corporate Venture Capital wird die Bereitstellung von Risikokapital (Venture Capital) an Startups durch etablierte (häufig große und börsennotierte) Unternehmen (sog. „Corporates“) bezeichnet. Als Gegenleistung für die Finanzierung erhält der Investor eine Minderheitsbeteiligung am Startup. Damit wird das Startup nicht Teil der Konzernstruktur des Corporates, sondern bleibt ein eigenständiges Unternehmen.

Wichtig!

Corporate Venture Capital ist damit kein Kauf des Startups. Beim Kauf (häufig auch als „M&A“ Transaktion bezeichnet) erwirbt das Corporate zumindest die Mehrheit des Startups und gliedert es in seine Unternehmensstruktur ein. Damit ist Corporate Venture Capital eine Finanzierungsform während eine M&A-Transaktion einen Fall des Exits darstellt.

Corporates investierten in den letzten Jahren kontinuierlich mehr in Startups. Die Summe der weltweit getätigten Investitionen wächst inzwischen sogar stärker als die der klassischen Venture Capital-Gesellschaften. Im Ergebnis hat die Bedeutung von Corporate Venture Capital vor allem bei der Spätphasen-Finanzierung von Startups erheblich zugenommen.

Wer stellt Corporate Venture Capital zur Verfügung?

Corporates können Risikokapital auf unterschiedlichen Wegen bereitstellen. Zunehmend unterhalten einige Corporates rein interne Programme, um mit Finanz- und Sachmitteln sowie Freistellungen solche Mitarbeiterprojekte zu fördern, die außerhalb des eigentlichen Geschäftsfeldes des Unternehmens liegen. Klassischerweise kann sich ein Corporate auch als Investor an einem Venture Capital Fonds beteiligen (Informationen zur Fondstruktur bei einer Venture Capital Gesellschaft findest du im #StartupBriefing Investorentypen – Venture Capital Gesellschaften) oder zusammen mit anderen Corporates Investitionsgelder bündeln und von einem externen Manager verwalten lassen.

Der wohl unmittelbarste Weg einer Corporate Venture Capital-Finanzierung wäre eine direkte Beteiligung eines Corporates am Startup. Diese direkte Form der Beteiligung ist aus unterschiedlichen, in der Rechnungslegung sowie in Compliance-Vorgaben von Corporates begründeten Ursachen, aber eher die Ausnahme. Dies gilt v.a. für große, börsennotierte Unternehmen. Große Corporates gründen i.d.R. für die Beteiligung an Startups eigens konzipierte Gesellschaften, statten diese mit Kapital aus und beteiligen sich dann über diese Gesellschaften an Startups. Wenn wir von Corporate Venture Capital-Gesellschaften sprechen, haben wir genau diese Gesellschaften im Sinn. Viele namhafte deutsche und internationale Konzerne verfügen über solche konzerneigenen Venture Capital-Gesellschaften. Zu diesen gehören nicht nur ehemalige Startups, die sich zu Weltkonzernen entwickelt haben, wie z.B. Google oder Salesforce, sondern auch viele deutsche börsennotierte Unternehmen wie die Deutsche Telekom oder die Commerzbank. Einen Überblick über die aktivsten Corporates gibt es hier.

In welcher Phase und wie viel investiert eine Corporate Venture Capital-Gesellschaft typischerweise?

Corporate Venture Capital-Gesellschaften investieren in den meisten Fällen erst verhältnismäßig spät im Lebenszyklus eines Startups. Nur selten beobachten wir Fälle, in denen ein Corporate bereits in einer Seed-Runde investiert und dann in der Regel als Co-Investor einer klassischen Venture Capital Gesellschaft. In den frühen Phasen sind v.a. solche Corporates vertreten, die bereits über einige Erfahrung mit Venture Capital verfügen. Konzerne, die bereits sehr lange in der Venture Capital-Finanzierung aktiv sind, verfügen dabei z. T. auch über unterschiedliche Gesellschaften, die sich entweder auf die Finanzierung früher Phasen eines Startups konzentrieren oder die Finanzierung in späteren Phase übernehmen. Die Leistungen in den frühen Phasen werden dabei häufig um Inkubator oder Accelerator-Leistungen ergänzt, so dass man hier häufig eher von Konzern-Inkubatoren oder Acceleratoren spricht. Weitere Informationen zu Acceleratoren findest du im #StartupBriefing Investorentypen – Accelerator.

Wie auch Venture Capital-Gesellschaften investieren auch Corporate Venture Capital-Gesellschaften selten weniger als  EUR 250.000 im Rahmen einer Finanzierungsrunde. Anders als Venture Capital-Gesellschaften haben einige Corporate Venture Capital-Gesellschaften keine strikte Vorgabe bzgl. der Anzahl an Investitionen, die sie pro Jahr tätigen müssen. Das bedeutet für Gründer, dass Corporate Venture Capital-Gesellschaften im Einzelfall flexibler bei der Bereitstellung von Kapitals sein können.

Tipp

Corporate Venture Capital-Gesellschaften sind i.d.R. Late-Stage-Investoren. Sollte man als Startup Bezug zu großen Unternehmen in der Frühphase suchen, empfiehlt sich zunächst die Suche nach Corporate Accelerator oder Corporate Inkubator-Programmen. Mehr dazu gibt es im #StartupBriefing Investorentypen – Accelerator.   

Was bietet eine Corporate Venture Capital-Gesellschaft – außer Kapital?

Aus Sicht eines Startups kann neben der Bereitstellung des Kapitals v.a. der Zugang zum Corporate selbst einen hohen Stellenwert haben. Von besonderem Interesse ist der Zugang zu Produkten sowie der technischen Infrastruktur, Markt- und Kundenanalysen und sogar Verkaufskanälen. Daneben können die hinter einer Corporate Venture Capital-Gesellschaft stehenden Unternehmen nicht nur ihr Vertriebsnetzwerk anbieten, sondern selbst potentielle Kunden des Startups werden und damit über Umsatzerlöse eine weitere Finanzierung des Startups bewirken. Ferner haben Corporate Venture Capital-Gesellschaften, im Unterschied zu einigen Venture Capital-Fonds, nicht zwingend eine durch die Fondslaufzeit immanente Begrenzung der Haltedauer ihrer Beteiligung am Startup und sind daher auch nicht gezwungen, ihre Beteiligung nach einer bestimmten Haltedauer zu veräußern. Letztendlich kann die Corporate Venture Capital-Gesellschaft natürlich auch immer ein potentieller Käufer des Startups sein und damit einen Exit Kanal für die Gründer bieten. Schließlich hat das Unternehmen ausreichend Zeit, die Qualität und den Wert des Startups als Gesellschafter zu beobachten.

Tipps

  • Die Anlehnung des Startups an bestehende Strukturen des Corporates kann das Wachstum enorm positiv beeinflussen. Einige Venture Capital-Gesellschaften stellen z.B. ihre Distributionskanäle zur Verfügung oder gewähren Zugang zu wichtigen strategischen Partnern. Dabei ist es wichtig, vertraglich abzusichern, dass die Anlehnung an die Strukturen des Corporates ein Recht des Startups ist, jedoch keine Pflicht. Startups sollten sich mit bereits durch den Corporate finanzierten Startups austauschen, wie gut diese Zusammenarbeit funktioniert
  • Die Aufnahme von Corporate Venture Capital kann die Verkaufsmöglichkeit des eigenen Unternehmens jedoch auch einschränken. Zu bedenken ist, dass die Corporate Venture Capital-Gesellschaft Gesellschafterin des Startups wird und sich in diesem Zuge bestimmte Zustimmungsrechte bei wichtigen Entscheidungen einräumen lässt. Der Verkauf des Startups an einen Wettbewerber des Corporates dürfte häufig an solchen Zustimmungsrechten scheitern. An dieser Stelle kommt es vertraglich darauf an, dem Startup die Handlungsoptionen im Exit-Fall zu erhalten.

Art der Beteiligung

Bei der Art und Weise der Bereitstellung von Kapital unterscheiden sich Corporate Venture Capital Gesellschaften nicht stark von Venture Capital-Gesellschaften. Der Regelfall sind daher Direktbeteiligungen. In solchen Fällen zeichnet die Corporate Venture Capital-Gesellschaft bei einer Kapitalerhöhung neue Geschäftsanteile und wird Gesellschafterin des Startups.

Motivation – Was erwartet eine Corporate Venture Capital-Gesellschaft?

In der Venture Capital-Landschaft besteht ein reger Austausch und nicht selten ein Streit darüber, ob Corporate Venture Capital-Gesellschaften ein guter oder ein schlechter Investor für Startups sind. Dieser Streit gründet zum einen in der nicht immer eindeutigen Motivationslage von Corporate Venture Capital und zum anderen in der generellen Eignung etablierter Konzerne als Startup-Finanzierer.

Corporate Venture Capital-Gesellschaften vertreten natürlich in erster Linie die Interessen der dahinterstehenden Muttergesellschaften und sind ihrer übergeordneten strategischen Zielsetzung unterworfen. Corporates können dabei eine Vielzahl an sich überschneidenden Zielen haben, die sich auf die Strategie ihrer Corporate Ventures auswirken. Einige dieser Ziele sind:

  • Förderung von Industrien oder Produkten zur Steigerung des eigenen Absatzes
  • Diversifikation der eigenen Produktpalette
  • Zugang zu Zukunftsmärkten
  • Stärkung eigener Produkte durch Investition in Komplementärprodukte und Dienstleistungen
  • Einkauf von Innovation

Neben den strategischen Zielen liegt die Vorgabe bei den meisten Corporate Venture Capital-Gesellschaften jedoch in der Gewinnmaximierung der Investitionen. Die Corporate Venture Capital Gesellschaften müssen schlichtweg für den Konzern Geld verdienen. Daher ist die Erwartungshaltung des Corporate Venture Capitalists, v.a. das schnelle Wachstum des Startups nach der Finanzierung.

An dieser Stelle wollen wir den sowohl akademischen als auch praktischen Streit über die Eignung von Corporates als Investoren nicht vertiefen. Wie häufig, wird es auch hier auf die Interessenslage und Situation des jeweiligen Startups ankommen, ob die Aufnahme von Corporate Venture Capital sinnvoll ist oder nicht. Wer sich jedoch mit dem Thema tiefer beschäftigen will, dem empfehlen wir zum Einstieg zwei konträre Stellungnahmen zur Einstimmung. Erst kürzlich hat der bekannte US-amerikanische Venture Capital-Investor Fred Wilson die Zusammenarbeit eines Startups mit einem Corporate etwas überspitzt als „deal with the devil“ bezeichnet und dafür plädiert, dass Corporates eher Startups kaufen sollten statt sich an ihnen zu beteiligen. Lesenswert ist aber auch die Stellungnahme eines Corporate Venture Capital Investors der Deutschen Telekom, der die Sichtweise eines rational agierenden Corporates und die daraus resultierenden Vorteile für ein Startup darstellt.

Tipps

  • Die Strategie eines Corporate Ventures zu durchschauen kann sich als komplexes Unterfangen gestalten. Zwei Leitlinien helfen jedoch bei der Einordnung. 1) Der Corporate Venture wird sich immer an der internationalen Strategie seines Mutterkonzerns orientieren. 2) Erfolgreiche Corporate Ventures werden als notwendige Bedingung das Ziel haben, für den Mutterkonzern eine Einnahmequelle darzustellen. Also sind auch Corporate Ventures i.d.R. daran gebunden, Gewinne zu erzielen;
  • Durch die ambivalente Motivationslage bei Corporate Venture Capital Gesellschaften sollte bei der Vertragsgestaltung darauf geachtet werden, dass das Startup im Kerngeschäft inhaltlich frei agieren kann und seine Spielräume für den Exit-Fall weitestgehend groß gehalten werden.

Zugang

An dieser Stelle empfiehlt sich zunächst der gleiche Netzwerkaufbau, wie wir diesen in unserem #StartupBriefing Investortypen – Venture Capital Gesellschaften geschildert haben. Erfahrene Investoren findet man häufig auf den gleichen Veranstaltungen. Einen weiteren Zugang ermöglicht auch die Teilnahme an Inkubator- und Accelerator-Programmen desselben Konzerns.

Dauer der Kapitaleinwerbung

Bei etablierten Corporate Venture Capital-Gesellschaften ist die Dauer der Kapitaleinwerbung vergleichbar mit derjenigen bei Venture Capital Gesellschaften. Verzögerungen konnten wir in der Praxis bei neu gegründeten Corporate Venture Capital Gesellschaften beobachten, da hier häufig noch konzerninterner Abstimmungsbedarf besteht, der Entscheidungen, Vertragsverhandlungen und Vertragsgestaltung verzögern kann.

Vertrags- und Regelungsumfang

In der Regel orientieren sich Corporate Venture Capitalisten an gängigen Marktstandards der Venture Capital Finanzierung, so dass wir auf die Ausführungen in unserem #StartupBriefing Investorentypen – Venture Capital Gesellschaften verweisen. Bei Neulingen auf dem Corporate Venture Capital Markt findet man in der Praxis aber auch Sonderregelungen, die bei Venture Capital Finanzierung unüblich sind und meist dem jeweiligen Konzerneinfluss oder der noch fehlenden Erfahrung des Investorenteams geschuldet sind. Häufig können solche Regelungen auf dem Verhandlungsweg wieder beseitigt werden. Nicht unerwähnt bleiben sollten auch Nebenvereinbarungen über die Zusammenarbeit mit dem Corporate wie z.B. Verträge über Medialeistungen bei der Finanzierung durch Mediengesellschaften.

Gestaltungsspielraum

Trotz des häufig standardisierten Vertragswerks zeigt die Praxis, dass die Verhandlungsspielräume durchaus groß sind. Nahezu jeder Investor – dies gilt aber auch für reguläre Venture Capital-Investoren – hat aus Erfahrung oder auf Grund interner Vorgaben bestimmte Regelungen, von denen er nicht abweichen kann oder will. Dazu gehören z.B. Vesting-Laufzeiten, die Befreiung von Wettbewerbsverboten oder die Erforderlichkeit, dass der Jahresabschluss des Startups durch einen Wirtschaftsprüfer geprüft werden muss. Daneben besteht aber auch ein recht großer Katalog an Regelungsbereichen, die weitestgehend ersetzt oder angepasst werden können. Wie bereits oben beschrieben, sollten Startups besonders darauf achten, dass die operative Unternehmensleitung nicht durch Zustimmungsrechte oder Exklusivitäten behindert wird und Exit-Optionen abgesichert werden. Wichtig ist insbesondere, dass der Wissenstransfer nicht einseitig zu Lasten des Startups ausfällt. Die Bereitstellung der Infrastruktur sowie bestenfalls des Kundennetzwerks des Corporate Ventures sollten essentielle Verhandlungsthemen sein.

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