Kanzlei
brochure image
Startups
brochure image
Karriere
brochure image
Logo
SUCHEN
/
/
/
/
/
/
Foto
03. August 2017

Investorentypen – Wer interessiert sich für mich? Wer passt zu mir? – Accelerator

Wenn sich Startups mit der Finanzierung durch Investoren beschäftigen, sollte eine der ersten Fragen sein: welche Investorentypen kommen für mich überhaupt in Betracht? Wer interessiert sich für mich? Aber auch: wer passt zu mir? Wenn man an dieser Stelle seine Hausaufgaben nicht richtig macht, ist die Suche nach der Finanzierung zum Scheitern verurteilt. In diesem Teil der Reihe zur Unternehmensfinanzierung mit Investoren schauen wir uns sog. Accelerator detaillierter an.

Accelerator

In den vergangenen Jahren sind auch in Deutschland sog. Accelerator Programme in Mode gekommen. Als Accelerator wird eine Institution oder ein Programm bezeichnet, das Startups über eine verhältnismäßig kurze Periode, meistens einige Monate, begleitet. Diese Begleitung beinhaltet v.a. intensive Coachings zum geplanten Produkt oder der geplanten Dienstleistung und die Unterstützung bei der Ausgestaltung und Umsetzung des dazugehörigen Geschäftsmodells. Zweck der Programme ist es, das Wachstum von Startups in den frühen Phasen zu beschleunigen (daher der Name Accelerator).

In welcher Phase und wie viel Geld investiert ein Accelerator typischerweise?

Accelerator Programme setzen in den frühen Lebensphasen eines Startups an. Welche konkreten Kriterien zur Auswahl potentieller Teilnehmer gestellt werden lässt sich pauschal aufgrund der großen Anzahl der Programme nicht sagen. In der Regel wird von den Gründern mehr als eine grobe Vision des Unternehmens erwartet. Kundenbeziehungen oder eine externe Finanzierungsrunde werden hingegen nur selten verlangt. Je nach Zielsetzung des Accelerator kann es vorkommen, dass Startups sich mit einer bestimmten Technologie (z.B. Internet of Things) oder einer bestimmten Branche (z.B. Transport) beschäftigen müssen, um im Programm aufgenommen zu werden. Das ist häufig der Fall, wenn der Accelerator im Umfeld eines sog. Corporates, d.h. eines etablierten, großen Unternehmens (z.B. einer börsennotierten Gesellschaft) errichtet wird.

Einige Programme bieten den Gründern ausschließlich Coachings und Infrastruktur an. Solche Programme sind meistens kostenlos und stellen geringere Anforderungen an ihre Programmteilnehmer. Ziel solcher Programme ist meist die Frühphasenförderung junger Unternehmen. Im Folgenden konzentrieren wir uns hingegen auf solche Accelerator Programme, die zumindest auch einen Beitrag zur Finanzierung leisten.

Bei den klassischen Modellen, die ihren Ursprung v.a. in den USA haben, erhält der Accelerator – oder ein mit diesem zusammenhängender Beteiligungsfonds – eine Minderheitsbeteiligung von ca. 10 % oder weniger und investiert dafür einen niedrigen sechsstelligen Betrag in das Startup. Deutsche Programme fordern vergleichbare einstellige Beteiligungen stellen dafür jedoch weniger Geld zur Verfügung. Meistens liegen die Finanzierungen zwischen 10.000 und 50.000 €. Auf dem Markt gibt es auch einige Modelle, die keine ungebundene Finanzierung bereitstellen, dafür aber ein Marketingbudget anbieten, das bei Schwestergesellschaften des Accelerator ausgegeben werden kann.

Vermehrt werben Accelerator damit, dass sie überhaupt keine Anteile an einem Unternehmen verlangen (Zero Equity Taken). Gründer werden z.T. sogar für die Zeit des Programmes eingestellt (sog. Entrepreneur in Residence). Diese Modelle werden i.d.R. von unternehmensnahen Accelerator angeboten. Hier gilt es im Einzelfall zu prüfen, welcher Motivation diese Programme entspringen. Ansatzpunkt eines solchen Accelerator kann auch eine Struktur- oder Branchenförderung sein, die sich zumindest teilweise aus öffentlichen Mitteln speist.

Tipp

Startups sind gut beraten, wenn sie sich vor der Auswahl eines Accelerator Programmes mit diesem detailliert auseinandersetzen und auch frühere Teilnehmer kontaktieren. Es sollte gut überlegt sein, welches Format zu einem passt und ob die Abgabe von Geschäftsanteilen und Stimmrechten im eigenen Startup das Angebot des Accelerator rechtfertigt. Eine recht ausführliche Liste zu den in Deutschland tätigen Programmen findet ihr z.B. hier.

Was bietet ein Accelerator – außer Kapital?

Der Finanzierungsbeitrag spielt bei Accelerator Programmen häufig eine untergeordnete Rolle. Das zentrale Versprechen eines Accelerator ist es, durch hochkarätiges Coaching das Wachstum eines Startups zu beschleunigen. Die Expertise der Coaches und das Netzwerk des Programms sollten den größten Mehrwert für die Teilnehmer darstellen. Mehrwert des Programms sollte es sein, das Startup vor unnötigen Fehlern zu bewahren und durch Arbeit mit erfahrenen Mentoren das Produkt oder die Dienstleistung auf die Bedürfnisse der Kunden anzupassen sowie das Geschäftsmodell zu schärfen. Dabei profitieren die Teilnehmer nicht nur von dem Wissen der Coaches, sondern auch von Alumni des Programmes und den anderen Startups, die parallel am Accelerator teilnehmen.

Um den Kapitalbedarf erfolgreicher Programmteilnehmer zu decken, bieten erfolgreiche Accelerator Programme außerdem ihr Netzwerk zu potentiellen Investoren an. Die erfolgreichen Absolventen pitchen am Ende des Programms an dem sog. Demo Day vor potentiellen Investoren und Netzwerkpartnern. Auch mögliche Kunden oder Angestellte können bei solchen Veranstaltungen gewonnen werden, wenn der Accelerator angesehen ist und über das entsprechende Netzwerk verfügt.

Für Investoren, die nicht über das Netzwerk eines Accelerator erreicht werden können, kann der erfolgreiche Abschluss des Programms als eine Art Gütesiegel für das Startup fungieren. Dies gilt insbesondere bei unabhängigen Programmen.

Tipp

  • Die Leitung des Accelerator und seine Coaches sollten ausschlaggebend für die Entscheidung sein, ob man an einem Accelerator Programm teilnehmen möchte oder nicht. Informiert euch gut über die verantwortlichen Personen und die Inhalte, die euch vermittelt werden können
  • Das Netzwerk, das man während der Zeit in einem Accelerator aufbauen kann ist sehr groß. Es lohnt sich möglichst viele Kontakte zu knüpfen.
  • Der Demo Day dient als Plattform, um seine Fortschritte vor vielen geladenen Gästen vorzustellen. Sowohl der Pitch als auch sämtliche Unterlagen, die Investoren interessieren könnten, sollten hier parat sein.

Art der Beteiligung

Einige Accelerator stellen ihren Finanzierungsbeitrag in Form einer Direktbeteiligung am Startup zur Verfügung. In diesem Fall zeichnet der Accelerator im Rahmen einer Kapitalerhöhung Geschäftsanteile am Startup und leistet eine Einzahlung in das Eigenkapital des Unternehmens. Die Zahlung kann auch in sog. Tranchen, also zeitlich versetzt erfolgen. So knüpfen manche Accelerator z.B. die abschließende Zahlung an die tatsächliche Beendigung des Programms. Auf dem Markt finden sich jedoch auch Kombinationsmodelle. So bieten z.B einige Accelerator nur Wandeldarlehn an.

Motivation – Was erwartet der Accelerator

Die Geschäftsidee der führenden Accelerator Programme aus den USA ist es, über den Einsatz von Coaching und Netzwerk ihre Teilnehmer möglichst attraktiv für Investoren, insbesondere für Venture Capital-Gesellschaften zu machen. Durch weiterführende Finanzierungsrunden soll der Wert der Beteiligung eines Accelerator am Startup steigen. Seine Rendite generiert der Accelerator dann v.a. über den Verkauf seiner Anteile bei größeren Finanzierungsrunden oder wie eine Venture Capital Gesellschaft über den Verkauf des Startups an ein operatives Unternehmen (sog. Trade Sale). Vor allem in den USA können Accelerator ihre Beteiligung auch im Rahmen eines späteren Börsengangs abstoßen (einen sog. IPO). Prestigeträchtige Programme wie Y Combinator oder TechStars haben dieses Modell derart erfolgreich umgesetzt, dass es inzwischen auch in Europa Nachahmer gibt.

In Deutschland werden die meisten Programme jedoch nicht von unabhängigen Gesellschaften ins Leben gerufen, sondern von großen, etablierten Unternehmen. Zwischenzeitlich haben z.B. fast alle DAX-Unternehmen ein eigenes Accelerator Programm. Startups sind daher gut beraten, sich mit den Hintergründen und der Motivation dieser Programme zu beschäftigen. Hilfreich ist z.B. der Austausch mit Teilnehmern der früheren Accelerator Durchgänge (sog. Batch). Auch das Vertragswerk dieser Programme und die den Startups in diesem Rahmen auferlegten Pflichten bieten einen guten Einblick in die Motivation aber auch in die Professionalität des Accelerator. Die am Markt bestehenden Qualitätsunterschiede sind in diesem Bereich äußerst groß.

Tipp

  • Klassische Accelerator Programme sind ähnlich berechenbar wie Venture Capital-Gesellschaften. Auch sie haben ein vornehmliches Interesse daran, ihren Gewinn zu maximieren. Damit verdienen sie schließlich ihr Geld.
  • Bei neueren konzernabhängigen Programmen können weitere Interessen dazu treten. So kann z.B. die Produktpalette in einer bestimmten Branche der Muttergesellschaft erweitert oder optimiert werden.

Zugang

Typischerweise ist der einzige Weg, an einem Accelerator Programm teilzunehmen, die klassische Bewerbung. Auch wenn eine Empfehlung aus dem Netzwerk an entscheidende Personen im Accelerator sicherlich hilfreich ist, kommt man an der Bewerbung hier nicht vorbei. Entsprechend hoch sollte der Aufwand sein, der in eine solche Bewerbung gesteckt wird. Verlangt wird zunächst in digitaler Form zumeist ein Pitchdeck. Im Anschluss können mehrere persönliche Gespräche stattfinden, in denen die Qualifikation der Gründer und die Validität der Idee geprüft werden. Es bietet sich im Vorfeld an, sich an Alumni des Accelerator zu wenden, um sich bestmöglich auf den Bewerbungsprozess des individuellen Programms vorzubereiten.

Zeitliche Beschränkungen

Wichtig zu beachten ist, dass die einzelnen Programme selten ganzjährlich geöffnet sind. Üblicherweise gibt es 2 bis 3 fixe Starttermine im Jahr. Dementsprechend liegen die Bewerbungsphasen einige Monate davor. Diese sind bindend. Sollte eine Bewerbungsphase verpasst werden, muss man auf die nächste warten.

Du hast Interesse an detaillierten Informationen zum Thema Startup-Finanzierung mit Investoren?

Kontaktiere gerne unseren Experten: hier klicken.

Das #StartupBriefing ist eine regelmäßige Publikation zu rechtlichen Themen, die vor allem für Gründer, Startups und junge Unternehmen relevant sind.

Mehr #StartupBriefings: hier klicken.