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11. Mai 2017

Investorentypen – Wer interessiert sich für mich? Wer passt zu mir? – Ein Überblick

Wenn sich Startups mit der Finanzierung durch Investoren beschäftigen, sollte eine der ersten Fragen sein: welche Investorentypen kommen für mich überhaupt in Betracht? Wer interessiert sich für mich? Aber auch: wer passt zu mir? Wenn man an dieser Stelle seine Hausaufgaben nicht richtig macht, ist die Suche nach dem Geld zum Scheitern verurteilt.

Im folgenden Beitrag schauen wir uns zunächst die grundlegenden Charakteristika dieser Investoren an, eine detaillierte Analyse dieser Investoren folgt dann in den weiteren Artikeln dieser Reihe.

Warum man mehr über Investorentypen wissen sollte?

Die Beschäftigung mit den unterschiedlichen Investorentypen sollte sich auf jeden Fall auch auf deren Charakteristika, Motivation sowie Erwartungshaltung erstrecken. Dies hilft, folgende Fragen zu beantworten:

  • Für welche Investoren ist mein Unternehmen interessant?
  • Welcher Investorentyp passt zu mir?
  • Wie wird Geld bereitgestellt?
  • Mit welchem Vertrags- und Regelungsumfang ist zu rechnen? Wie standardisiert ist das Vertragswerk? Wie viel Gestaltungsspielraum besteht im Einzelfall?
  • Wie lange dauert die Kapitaleinwerbung?

Welche Investorentypen gibt es?

Wenn wir den Kreis potentieller Investoren sehr weit ziehen, kommen grundsätzlich alle Personen und Institutionen in Betracht, die bereit sind, den Totalverlust ihres eingesetzten Kapitals in Kauf zu nehmen und im Gegenzug profitieren wollen, wenn das Unternehmen erfolgreich ist. Folgende Kategorien von Investoren lassen sich bilden:

Investorentypen

  • FFF (Family, Friends & „Fools“)
  • Business Angel
  • Venture Capital Gesellschaften
  • Corporate Venture Capital Gesellschaften
  • Acceleratoren, Inkubatoren
  • Strategische Investoren
  • Crowd

Diese Investorentypen sind Bestandteil der folgenden Abschnitte und werden inhaltlich konkretisiert.

Die 3F (Love Money) – Wenn Familie und Freunde zu Investoren werden

Zu der Gruppe der Investoren, die häufig als „Family, Friends“ und „Fans“  – oder wenig charmant als „Fools“ – bezeichnet werden, gehören Personen, deren Investitionsentscheidung häufig nicht unter kaufmännischen Gesichtspunkten erfolgt, sondern durch die persönliche Beziehung zum Startup oder dessen Gründern motiviert ist. Diese Gruppe ist nicht zu unterschätzen, da sie häufig in den ganz frühen Phasen eines Startups unterstützt, wenn noch kein anderer Investor bereit ist. Die Gruppe wird inzwischen häufig für die Finanzierung über die Crowd (s. weiter unten) rekrutiert.

Tipp

  • Geschäftliche Verbindungen im persönlichen Umfeld sollten besonders sensibel behandelt werden – Familie und Freunde sollten sich der Gefahr bewusst sein, dass das Investment ein Totalverlustrisiko mit sich bringt
  • One-Pager mit den wesentlichen Daten der Investition hilft, Streit im Nachhinein zu verhindern

Business Angel

Als Business Angel wird – idealtypisch – eine vermögende und unternehmerisch erfahrene Person bezeichnet, die sich mit Kapital und Know-how an Unternehmen beteiligt. Kennzeichnend für diesen Investorentypus ist entweder eine eigene unternehmerische Vergangenheit oder vertiefte Erfahrung in der Unternehmensleitung. Business Angel stellen jedoch keine homogene Gruppe dar. Hier muss das Startup besonders intensiv die Erfahrung, Motivationslage sowie Erwartungshaltung eruieren. Allgemein lässt sich jedoch festhalten, dass Business Angel durch ihr Investment Geld verdienen wollen, auch wenn die Renditeerwartungen variieren.

Tipp

  • Der Begriff „Business Angel“ ist keine geschützte Bezeichnung wie z.B. „Rechtsanwalt“; sie eignet sich nicht per se als Qualitätssiegel eines Investors; theoretisch kann sich jeder als Business Angel bezeichnen – und einige tun dies auch zu Unrecht
  • Startups sollten Wert darauf legen, die Expertise und den Track Record des Business Angels im Vorfeld abzufragen oder von Branchenkennern beurteilen zu lassen

Venture Capital Gesellschaften

Die Bereitstellung von Venture Capital gehört zur Profession dieser Investoren. Das Geschäftsmodell und die Motivation von Venture Capital Gesellschaften ist die Erzielung von Renditen für sich und ihre Anleger (häufig wegen der verwendeten Fondsstrukturen auch als „Limited Partners“ bezeichnet). Grundlage der Investitionsentscheidung einer Venture Capital Gesellschaft ist die Möglichkeit, die eingegangene Unternehmensbeteiligung innerhalb einer festgelegten Zeitdauer (häufig innerhalb von 5 bis 7 Jahren) wieder zu veräußern und durch den bei der Veräußerung realisierten Wertzuwachs eine Rendite zu erzielen. Vereinfacht dargestellt geht eine durchschnittliche Venture Capital Gesellschaft davon aus, dass etwa 40% ihrer Portfoliogesellschaften keinen Erfolg haben werden, weitere 40% eine moderate Rendite einbringen und ca. 20% der Unternehmen für die eigentliche überdurchschnittliche Rendite des Fonds sorgen. Tendenziell muss daher jedes Unternehmen, in welches die Venture Capital Gesellschaft investiert, in der Lage sein, zu den 20% zu gehören. Diesen Umstand sollte man im Auge haben, wenn man eine Venture Capital Gesellschaft als Investor in Betracht zieht.

Tipp

  • Der beste Weg, sich bei einem Venture Capitalist zu bewerben, ist die Teilnahme an einer attraktiven Pitching Veranstaltung
  • Will man einen Venture Capitalist direkt ansprechen, sollte man das nicht „kalt“ machen, sondern jemand aus dem Netzwerk des Investors um ein Intro bitten

Corporate Venture Capital Gesellschaften

Auch Corporate Venture Capital Gesellschaften stellen Startups Risikokapital zur Verfügung. Besonderheit ist jedoch, dass diese Investoren ihre Mittel von einem bestehenden operativ tätigen Unternehmen beziehen. Die Bedeutung dieser Investoren hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Viele namhafte Unternehmen (auch in Deutschland) verfügen über einen solchen „Venture Capital Arm“. Bei den Venture Capital Gesellschaften ist die Motivationslage jedoch schwieriger zu ermitteln als bei den klassischen Venture Capital Gesellschaften. Hier stehen häufig nicht nur das reine Geldverdienen im Vordergrund, sondern auch konzernpolitische Erwägungen. Auf der anderen Seite bringen diese Investoren über die enge Vernetzung zu ihren Muttergesellschaften strategische Vorteile für die Startups wie z.B. beim Vertrieb oder der Unternehmenskommunikation.

Strategische Investoren

Als Investoren kommen auch andere Unternehmen in Betracht, die sich an Startups nicht alleine unter Renditegesichtspunkten, sondern aus anderen, strategischen Gründen beteiligen. Bei diesen strategischen Gründen kann es sich z.B. handeln um:

  • Absicherung oder Verstärkung bestehender geschäftlicher Beziehungen
  • Sicherung von Beschaffungs- oder Absatzkanälen
  • Zugriffsmöglichkeiten auf Innovationen oder neue Geschäftsfelder

Für das Startup kann ein strategischer Investor neben einem Finanzierungsbeitrag auch ganz wesentliche Verbundeffekte mit sich bringen, Vertriebskanäle eröffnen oder auf der Beschaffungsseite Vorteile begründen. Die Eignung des potentiellen Investors und die Rahmendaten der Investition sind hier absolut einzelfallspezifisch zu betrachten.

Tipp

  • Nicht selten kommt es vor, dass Unternehmen, die im gleichen Marktsegment und zum Teil auch mit Mitbewerbern des Startups geschäftliche Beziehungen unterhalten, strategische Beteiligungen eingehen; anders als bei einer ausschließlich renditeorientierten Venture Capital Gesellschaft besteht bei solchen Gesprächen ein erhöhtes Bedürfnis, im Vorfeld der Beteiligung vertrauliche Unternehmensinformationen zu schützen
  • Die Beteiligung von Strategen sollte besonders im Hinblick auf die Einschränkung der operativen und strategischen Handlungsfreiheit des Startups geprüft werden

Inkubatoren

Der aus der Medizin stammende Begriff „Inkubator“ beschreibt den Ansatz, Startups optimale Bedingungen für das Wachstum zu schaffen. Die Unterstützungsleistungen eines Inkubators umfassen die Bereitstellung von Räumlichkeiten und Infrastruktureinrichtungen bis hin zu umfangreichen Service- und Dienstleistungspaketen, in deren Rahmen bspw. ein professioneller Business-Plan erstellt wird. Auch eine strategische Begleitung des Startups bei der Entwicklung oder Verfeinerung von Produkt und/oder Geschäftsmodell kommen in Betracht.

Tipp

  • Hier ist das Feld groß und die Qualität der Leistungen sehr unterschiedlich; ein Startup kommt nicht umher, sich sehr detailliert mit dem Anbieter zu beschäftigen, sich Referenzen einzuholen und zu prüfen, über welches Know-how der Inkubator verfügt
  • Bei der Motivation ist v.a. zwischen öffentlich-rechtlichen sowie privatwirtschaftlichen Inkubatoren zu unterscheiden; öffentlich rechtliche Inkubatoren tragen häufiger die Bezeichnung „Gründerzentrum“; ihr primäres Ziel liegt in der Wirtschaftsförderung; privatwirtschaftliche Inkubatoren verfolgen andere, deutlich breiter gefächerte Ansätze

Accelerator Programme

In den vergangenen Jahren sind auch in Deutschland sog. Accelerator Programme in Mode gekommen. Als Accelerator wir eine Institution oder ein Programm bezeichnet, welches Startups in einem festgelegten Zeitraum von mehreren Monaten (meist zwischen 3-6 Monaten) durch intensives Coaching zu einer schnellen Entwicklung verhilft. Ziel des Coachings ist es, das Unternehmen (häufig das Produkt und/oder Geschäftsmodell des Unternehmens) so voranzubringen, dass es für einen Investor, z.B. eine Venture Capital Gesellschaft, interessant ist. Am Ende der Programme stehen die sog. Demo Days, bei denen der Accelerator den in seinem Netzwerk befindlichen Investoren das Startup vorstellt.

Tipp

  • Im Wesentlichen gelten hier die gleichen Tipps wie bei Inkubatoren; das Feld ist groß und die Qualität der Leistungen schwankend
  • Es ist sehr wichtig, die Kenntnisse und Erfahrungen der Leiter eines Accelerators sowie der Netzwerkpartner zu erfragen

Die „Crowd“ als Investor: Crowdinvesting

Seit einigen Jahren ist bei der Finanzierung von Startups eine neue Investorengruppe hinzugekommen: der Schwarm (engl. Crowd). Unter Crowdfunding wird die Finanzierung von Unternehmen mittels Klein- und Kleinstinvestoren verstanden, die auf speziellen Plattformen im Internet Geldbeträge schon ab wenigen Euro zur Beteiligung am wirtschaftlichen Erfolg von Unternehmen (Crowdinvesting) oder eine andere Gegenleistung (z.B. Perks) investieren können. In Deutschland existieren mehrere Plattformen, die Unternehmen das Crowdinvesting ermöglichen. Die Plattformen unterscheiden sich sowohl bei der Auswahl der zu finanzierenden Unternehmen als auch in den angesprochenen Investoren. Die Plattformen verfügen über standardisierte Vertragsgestaltungen, die v.a. eine Einwerbung von Investitionen über sog. partiarische Nachrangdarlehen ermöglichen.

Tipp

  • Startups sollten sich vor Aussagen wie „Crowdinvesting ist einfacher, billiger und/oder vorteilhafter als Geld von anderen Investoren“ nicht fehlleiten lassen
  • Crowdinvesting ist komplexer als man denkt; wer sich mit dem Thema detailliert auseinandersetzen will, findet [hier] vertiefende Informationen.

Exkurs: Venture Loan Geber

Wir nehmen aktuell ein verstärktes Interesse an dem Thema „Venture Loan“ wahr, so dass wir es auch in dem Kontext der Investoren ansprechen wollen. Als Venture Loan Geber treten Kreditgeber auf, die jungen Unternehmen Kredite bereitstellen, die von klassischen Banken nicht erhältlich sind. Die Besonderheit liegt darin, dass von Venture Loan Gebern auch solche Unternehmen Kredite erhalten können, die noch nicht schuldendienstfähig sind, d.h. die Rückzahlung des Kredits und der Zinsen nicht aus Gewinnen leisten können. Mit Venture Loans sollten sich aber nur diejenigen Startups auseinandersetzen, die bereits (namhafte) Investoren im Gesellschafterkreis haben und über relevante Umsätze verfügen. Venture Loan Geber versuchen ihr Risiko damit in den Griff zu bekommen, dass sie sich quasi an die Einschätzung zur Attraktivität von Unternehmen durch erfahrene Investoren anlehnen.

Tipp

  • Die in dieser Übersicht genannten Investoren können einzeln oder teils auch in Kombination miteinander oder nacheinander ein Startup finanzieren; Venture Loans setzen hingegen immer eine bestehende Investorenbeziehung voraus
  • Anders als bei den anderen Investoren sind Venture Loans immer rückzahlbar; können zu vereinbarten Zeitpunkten die Kredite nicht zurückgezahlt werden, kann dies in Abhängigkeit von der Ausgestaltung der Kreditverträge zur Insolvenz des Unternehmens führen

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