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05. März 2018

Aktuelle Entwicklungen und Trends im Payment Markt

Von Björn Brücher im Bereich Aufbau und Wachstum

Nachdem es längere Zeit ruhig geworden ist um das Thema Payment, verspricht dieses Jahr wieder etwas mehr Bewegung im Markt. Das ist vor allem auf die Umsetzung der Novellierung der europäischen Zahlungsdienste-Richtlinie (PSD2) und der Geldwäscherichtlinie (AMLD4) zurückzuführen. Neben technischen Innovationen und neuen Geschäftsmodellen sind infolge der Änderungen in den regulatorischen Rahmenbedingungen insbesondere auch B2B-Anwendungen aus dem Bereich Compliance bzw. RegTech zu erwarten. Wir fassen in diesem StartupTrend die aktuellen Entwicklungen zusammen und haben zudem in Form eines kurzen Interviews die Einschätzung eines erfahrenen Marktexperten einfließen lassen.

Neuartige Zahlungsmethoden

Ganz allgemein lässt sich ein Trend dahingehend feststellen, dass durch neue Bezahlmethoden die Art und Weise, wie Nutzer in Deutschland zahlen, digitaler, schneller und günstiger werden sollen. Insbesondere Realtime bzw. Instant Payments können dabei als Trend identifiziert werden. Sie ermöglichen u.a. im Onlinehandel (eCommerce) eine ausgelöste Zahlung vom Kundenkonto auf das Händlerkonto – nahezu – in Echtzeit zu überweisen. Damit bietet Realtime bzw. Instant Payment grundsätzlich eine Alternative zu den bislang eingesetzten Zahlungsmethoden und Payment Lösungen. Die rechtlichen und technischen Prozesse sind bei einigen bislang genutzten Zahlungsmethoden zum Teil noch etwas umständlich und erfordern manchmal, dass nicht nur ein Payment Service-Provider (PSP), sondern auch noch weitere Parteien in die Zahlungsabwicklung involviert sind. Dies wirkt sich nicht nur auf die Geschwindigkeit, sondern natürlich auch auf die Kosten aus. Insofern dürfte sich der Innovationsdruck für Banken und andere Payment Anbieter durch neue Bezahlmethoden erhöhen.

Bedeutung von User Experience wächst

Egal ob über das Smartphone, Wearables oder sprachgesteuerte Assistenten wie Amazon Echo: Nicht nur das Nutzungs- und Einkaufs-, sondern auch das Bezahlverhalten ändern sich. Mit der Anzahl an (eCommerce-) Plattformen und sonstigen (Online-) Bezugsquellen für Waren und Dienstleistungen steigt für Nutzer jedoch auch die Schwierigkeit, alle Ausgaben im Blick zu haben. Insoweit gewinnen Lösungen an Bedeutung, die Kunden einen benutzerfreundlichen plattform- und kontoübergreifenden Überblick über alle Einnahmen und Ausgaben in Echtzeit vermitteln. Die PSD2 hat den Weg für solche User Experience optimierten Services geebnet durch „Access to Account“ (XS2A). Hier stellt sich für Startups allerdings schnell die Frage, ob ihr Geschäftsmodell einen sogenannten Kontoinformationsdienst nach dem Zahlungsdiensteaufsichtsgesetz (ZAG) darstellt und insoweit aufsichtsrechtliche Besonderheiten zu beachten sind.

Aber auch im Hinblick auf Bezahlvorgänge selbst ist die Optimierung der User Experience ein zu beobachtender Trend. Dass diese Entwicklungen nicht nur online stattfinden, zeigt u.a. Amazon mit dem Launch des ersten Supermarktes ohne Kassen (Amazon GO). Die Verbraucher können dort durch ein einfaches Check-In Waren auswählen und zahlen automatisch beim Verlassen des Ladens.

Europaweite Sicherheitsstandards und B2B-Lösungen

Die Umsetzung der PSD2 und AMLD4 in den Mitgliedstaaten der EU soll einen einheitlichen Mindeststandard in Bezug auf Payment Security und Fraud Prevention sowie Geldwäscheprävention in Europa gewährleisten. Eingeführt werden u.a. striktere Regeln für die Authentifizierung von Kunden bei Kontoeröffnung, aber auch bei der Bewilligung von Zahlungsvorgängen. Als Stichworte seien hier die automatisierte TAN sowie die starke Kundenauthentifizierung (2-Faktor-Authentifizierung) genannt. Durch die Vereinheitlichung von solchen Standards wird es Startups und anderen Unternehmen zwar einfacher gemacht, ihre Produkte und Leistungen über die deutsche Grenze hinaus innerhalb der EU zu vertreiben. Allerdings steigt damit auch der Wettbewerb. Hier zeigt sich auch deutlich, dass die Umsetzung der PSD2 und AMLD4 kein Thema ist, was nur PSP beschäftigt. Vielmehr bietet sich die Thematik für RegTech-Startups an, um digitale bzw. technologiebasierte (Compliance-) Lösungen für PSP zu entwickeln und von den Skalierungseffekten infolge der europaweiten Geltung der zugrundeliegenden Richtlinien zu profitieren.

Künstliche Intelligenz (KI)

KI disruptiert bereits zahlreiche Branchen. Auch die Payment Branche wird nach Ansicht vieler Experten davon betroffen sein, zumal im Payment Bereich die Verknüpfung von Zahlungsdienstleistungen und Daten einen immer größeren Stellenwert einnimmt. Nicht nur bei der User Experience und Fraud Prevention werden KI betriebene Datenanalysen eingesetzt, sondern auch zur Optimierung von Prozessen und Zahlungsflüssen im Unternehmen sowie zur Kostenreduktion.

Interview mit Thomas Tittelbach, geschäftsführender Gründer von FINDOSO und Mitinitiator der ACADEMY4FIN

Thomas Tittelbach

(Foto: findoso.com/company/team/)

Die oben beschriebenen Entwicklungen werden auch durch das Expertennetzwerk von WSS Redpoint bestätigt. Unser Team unterhält einen regelmäßigen Austausch mit Experten und Spezialisten aus verschiedenen Branchen, um aktuelle Marktentwicklungen frühzeitig zu erkennen und in die rechtliche Beratung einfließen zu lassen.

Vor diesem Hintergrund haben wir uns mit einem führenden Experten im Payment Sektor, namentlich Thomas Tittelbach von FINDOSO ausgetauscht, um seine persönliche Meinung zu den Trends für 2018 im Bereich Payment zu hören. Thomas Tittelbach kann dabei als ehemaliger Gründer eines Zahlungsdienstleisters und aufgrund seiner vorherigen Tätigkeit bei ClickandBuy, wo er den Bereich Payment Services (Online Bezahlen) verantwortete, auf eine langjährige Erfahrung im Payment Bereich blicken. Diese Expertise möchte Thomas Tittelbach weitergeben und hat mit FINDOSO eine Workshop-Reihe ACADEMY4FIN initiiert.

Lieber Thomas würdest du dich kurz vorstellen?

Ich bin Thomas Tittelbach, Gründer von FINDOSO, einem Payment Systemhaus mit Hauptsitz in Köln. Mit einem Team, das auf umfangreiche Management-Erfahrung bei Branchengrößen, wie z.B. ClickandBuy, PayPal, Payreto und Klarna zurückgreifen kann, unterstützen wir Zahlungsdienstleister und Händler bei Fragestellungen rund um die Zahlungsabwicklung. Innerhalb unserer Projekte fokussieren wir uns darauf, realitätsnah zu agieren und für unsere Kunden in einer agilen Arbeitsweise schnell erste Ergebnisse zu erreichen. Übliche Projekte beinhalten Produktentwicklung, Go2Market-Strategien sowie die Optimierung von Marktplatzmodellen und Autorisierungs-Raten.

Wo siehst du noch ungenutzte Potentiale im Bereich PS(P)?

Auch wenn allein in Europa mehr als 600 PS(P)s um Händler kämpfen, sehen wir ein großes Potenzial aufgrund verschiedener Entwicklungen, z.B.:

  • die laufende Konsolidierungs-Welle führt dazu, dass die meisten großen Anbieter in den nächsten Jahren eher mit Integrations- und Migrationsthemen ausgelastet sind und die Marktseite vernachlässigen;
  • regulatorische Neuerungen, wie z.B. PSD2 und GDPR, ermöglichen neue Geschäftsmodelle, die europaweit ausgerollt werden können und
  • der anhaltende Margendruck im Banken-, Telco- und PS(P) Umfeld zwingt Marktteilnehmer, neue Geschäftsmodelle zu finden, um den Margenverfall aufzuhalten.

Welche Rolle spielen (zukünftig) Big Data und AI im Bereich Payment, insbesondere im Hinblick auf Risk Management und Betrugsprävention?

Big Data ist sicherlich schon heute das Thema, das die gesamte Branche beschäftigt. Auf jeder Veranstaltung wird einem vorgebetet, dass Daten das neue Gold seien. Fragt man jedoch nach konkreten Ergebnissen oder funktionierenden Use-Cases, so sind diese leider nur vereinzelt zu finden. Aktuell konnte ich noch kein funktionsfähiges und belastbares Ertragsmodell erkennen. Diese große Herausforderung gilt es zunächst zu bewältigen.

Das Potenzial von AI ist zweifelsfrei noch längst nicht ausgeschöpft und die technischen Möglichkeiten heute noch unvorstellbar. In Zeiten eines stark zunehmenden Schutzes von Nutzerdaten (mit Blick auf Europa) sind hier allerdings noch viele grundsätzliche Aufgaben zu erledigen, bis man den Nutzen von AI gegenüber herkömmlichen Systemen erkennen wird.

Was ist der Hintergrund von bzw. der Beweggrund für ACADEMY4FIN?

In vielen unserer Projekte treffen wir auf Konfigurationen mit operativen und strategischen Schwächen, die zu geringerer Konkurrenzfähigkeit und damit direkt verbunden, niedrigerem Umsatz führen. Die Hintergründe liegen meistens in fehlendem Produkt- und Prozesswissen, das wir in langfristigen Projekten korrigieren. Mit ACADEMY4FIN bieten wir regelmäßige Schulungen an, in denen wir praktisches Wissen und Best-Practices vermitteln, um bessere Payment-Lösungen zu etablieren.

Um eine unabhängige Sichtweise zu ermöglichen, laden wir zu jeder der Veranstaltungen Experten ein, die aus ihren Erfahrungen berichten gemäß unserem Motto “vom Markt, für den Markt”.

Wen wollt ihr mit ACADEMY4FIN primär ansprechen?

Die Inhalte von ACADEMY4FIN richten sich an Produkt- und Payment Manager, also diejenigen Mitarbeiter, die täglich praktisches Know-How benötigen, um Lösungen zu konzipieren oder Prozesse zu optimieren.

Vielen Dank für das Gespräch.

Mehr Informationen zur ACADEMY4FIN findest du hier.

Der nächste Workshop („Payment Manager 2.0 – Anbieter, Systeme, Herausforderungen“) findet am 20. März 2018 im STARTPLATZ, Köln, statt. Mehr Informationen hierzu hier.

Wenn du Interesse an detaillierten Informationen zum Thema Payment, RegTech oder Compliance hast, kontaktiere einen unserer Experten.