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26. Januar 2018

Initial Coin Offerings (ICOs) – Ein Leitfaden für Startups (Teil I)

ICOs haben sich innerhalb kürzester Zeit zu einer beliebten Variante der Seed-Finanzierung entwickelt. Nahezu täglich wird ein neuer ICO angekündigt (vgl. https://www.icoalert.com/). Mit wysker und savedroid finden sich auch die ersten deutschen Unternehmen unter den Emittenten. Die Ankündigung des KODAKCoin zeigt zudem, dass auch große Unternehmen das Potential von Token Sales erkannt haben. Und mit Asgard hat sich selbst eine Venture Capital – Gesellschaft für die Durchführung eines ICO zur Kapitalaufnahme entschieden.

Wir werden in einem mehrteiligen Beitrag die rechtlichen Grundlagen für ICOs und Token Sales nach dem deutschen Recht beleuchten und Unternehmen damit einen Leitfaden an die Hand geben. In diesem ersten Teil werden wir zunächst die gängigen Begrifflichkeiten und den typischen Ablauf eines ICO bzw. Token Sale erläutern.

Begrifflichkeiten

Wer sich mit dem Thema ICO näher beschäftigt, stellt schnell fest, dass einige Begriffe synonym, andere wiederum nicht einheitlich verwendet werden. Einheitliche Definitionen für die nachfolgend erläuterten Begriffe gibt es daher nicht.

ICO

Das Kürzel ICO steht für Initial Coin Offering und meint die erstmalige Ausgabe von sogenannten Coins, mithin Einheiten einer (virtuellen) Kryptowährung. Zwar ist streng genommen zwischen der erstmaligen Ausgabe von Coins und der erstmaligen Ausgabe von sogenannten Tokens zu unterscheiden, gerade außerhalb von Fachkreisen werden aber auch (Initial) Token Sales als ICO angekündigt. Der Begriff ist an IPO (Initial Public Offerings), also der Bezeichnung für einen Börsengang, angelehnt. Rechtlich und technisch bestehen allerdings große Unterschiede zwischen einem ICO und einem IPO.

(Initial) Token Sale

Der Begriff Token Sale wird größtenteils als Synonym für einen ICO verwendet. Dennoch ist zwischen einem ICO und einem Token Sale zu unterscheiden. Bei einem Token Sales handelt es sich nach einem verbreiteten Verständnis um einen Unterfall des ICO. Während ein ICO auch eine Ausgabe von Coins bzw. Tokens zu reinen Finanzierungs-/Investitionszwecken umfasst, handelt es sich bei einem Token Sale im Regelfall um einen sogenannten „Presale“, d.h. eine Art Vorverkauf von Tokens, die zum Bezug einer zukünftigen Leistung oder noch zu entwickelnder Produkte berechtigen. Bei den Erwerbern der Tokens handelt es sich mithin um (potentielle) Kunden. Insoweit wird als Abgrenzung zum Begriff ICO daher auch häufig von einem Token Generation Event (TGE) oder Token Distribution Event (TGE) gesprochen. Da aus Sicht des Unternehmens jedoch regelmäßig die Finanzierungsfunktion im Vordergrund steht und durch den Handel an Altcoin-Börsen auch (Utility) Tokens Spekulationsobjekte sein können, sind die Grenzen allerdings fließend.

Intrinsic Tokens

Sogenannte Intrinsic Tokens (auch Native Tokens genannt) basieren unmittelbar auf der jeweiligen Blockchain und vermitteln keinerlei Rechte. Sie werden zum Teil allerdings als Zahlungsmittel eingesetzt.

Beispiele für Intrinsic / Native Tokens sind Bitcoin/BTC (Bitcoin-Blockchain), Ether/ETH (Ethereum) und Ripple/XRP (XRP Ledger).

Security / Equity Tokens

Die Begriffe Security Tokens bzw. Equity Tokens meinen Tokens, die wertpapier- bzw. eigenkapitalähnlich ausgestaltet sind. Beide können insbesondere Gewinnbezugsrechte (z.B. bei Dividendenausschüttungen) oder vergleichbare Partizipationsrechte vermitteln. Von Equity Tokens wird dann gesprochen, wenn zudem Mitbestimmungsrechte (z.B. Stimmrechte) gewährt werden oder Unternehmensanteile als Basiswert (underlaying asset) dienen. Equity Token werden insoweit auch teilweise als Unterfall eines Security Tokens angesehen. Anders als Security Tokens gewähren Equity Tokens nicht allein Partizipationsrechte, sondern repräsentieren Anteile an einem Unternehmen oder Vermögensgegenstand. Es sind sogar Gestaltungen denkbar, in denen zusammen mit den Equity Tokens tatsächlich Unternehmensanteile erworben werden können.

Um einen Security Token würde es sich beispielsweise dann handeln, wenn ein Unternehmen die Erwerber der Token zwar an zukünftigen Erlösen (z.B. Gewinnausschüttungen) partizipieren lassen möchte, ihnen aber keine Stimm- oder sonstige Mitentscheidungsrechte gewährt werden sollen. Ein Beispiel hierfür sind die im Rahmen des ICO der Venture Capital-Gesellschaft Asgard ausgegebenen Token.

Demgegenüber kommt die Ausgabe von Equity Token in Betracht, wenn die Erwerber der Token weitergehende Rechte haben sollen, z.B. Stimm- oder sonstige Mitspracherechte oder (Bezugs-) Rechte an den Anteilen des Unternehmens. Das wohl bekannteste Beispiel für einen Equity Token waren die von The Dao ausgegebenen Token.

Utility Tokens

Utility Tokens gewähren in der Regel ein Bezugsrecht auf zukünftige Produkte bzw. Dienstleistungen, gegen die sie dann eingetauscht werden können. Es gibt allerdings auch Gestaltungen, in denen ein Utility Token lediglich das Recht zum rabattierten Bezug zukünftiger Produkte bzw. Dienstleistungen vermittelt. Utility Tokens können damit in gewisser Weise mit einem Gutschein (Coupon) verglichen werden. Häufig werden solche Tokens im Rahmen eines (Pre-) ICO mit einem Rabatt ausgegeben. Auch Utility Tokens können zum Handel an einer Altcoin-Börse zugelassen werden und damit Spekulationsobjekt sein.

Die Ausgabe eines Utility Token kommt z.B. für Startups in Betracht, die eine Online-Plattform betreiben und die Tokens auf dieser Plattform bei allen Teilnehmern als „Zahlungsmittel“ verwendet werden sollen. Natürlich ist es ebenso denkbar, dass auch sonstige Startups Utility Tokens ausgeben, die zum Bezug eines noch zu schaffenden Produktes bzw. einer noch zu entwickelnden Dienstleistung berechtigen sollen. Z.B. könnten die im Rahmen eines ICO ausgegeben Token dazu berechtigen, die zukünftigen Produkte bzw. Dienstleistungen zu einem um x% reduzierten Preis zu erwerben.

DAO

DAO steht für Decentralized Autonomous Organization und bezeichnet eine dezentral durch die Token-Inhaber geleitete Organisationseinheit auf Basis einer Blockchain. Das wohl bekannteste Beispiel ist The Dao. Hierbei handelte es sich nicht etwa um eine physische Gesellschaft, sondern um eine Art dezentral verwalteten Venture Capital-„Fonds“ auf der Ethereum-Blockchain. Die Investitionsentscheidungen von The Dao sollten „demokratisch“ und dezentral durch die Token-Inhaber getroffen werden. Diese sollten mithin darüber entscheiden, welche Startups oder Projekte durch The Dao finanziert werden sollen.

Smart Contract

Bei einem Smart Contract handelt es sich nicht um einen Vertrag im rechtlichen Sinne, sondern vielmehr um ein Programm zur automatisierten Vertragsdurchführung und –abwicklung auf Basis der Blockchain-Technologie. Für den Inhalt eines Smart Contract sind die vertraglich getroffenen Abreden maßgeblich. Im Falle eines ICO bzw. Token Sale sind das insbesondere die in den terms and conditions genannten Vertragsbedingungen, die damit bei der Programmierung des Smart Contract zu berücksichtigen sind.

White Paper

Häufig existieren zum Zeitpunkt der Ankündigung eines ICO bzw. Token Sale weder das Unternehmen selbst, noch dessen Geschäftsmodell, Produkt bzw. Dienstleistung. Vielmehr dient ein ICO bzw. Token Sale gerade deren Entwicklung. Insbesondere in diesen Fällen kommt im Falle eines ICO bzw. Token Sale daher einem Dokument eine ganz zentrale Bedeutung zu: Dem sogenannten White Paper. Hierbei handelt es sich um ein Dokument, in dem vereinfacht gesagt das Projekt und das dahinter stehende Geschäftsmodell, die technologischen Einzelheiten, das Angebot (einschließlich der aus dem Coin bzw. Token resultierenden Rechte) sowie der dem ICO bzw. Token Sale zugrunde liegende Smart Contract näher beschrieben werden. Daneben finden sich in der Regel auch umfangreiche Angaben zum Team, etwaigen Investoren und Beratern, zur Geschäftsidee, zur Vision und den Perspektiven, zum Markt sowie zur geplanten Mittelverwendung. Ein White Paper greift damit bekannte Elemente eines Business Plan bzw. Business Model Canvas auf.

Terms and Conditions

Bei den Terms and Conditions (kurz: T&Cs) handelt es sich um die Angebots- und Vertragsbedingungen eines ICO bzw. Token Sale und des hiermit zusammenhängenden Smart Contract.

Ablauf eines ICO bzw. Token Sale

Der Ablauf eines ICO bzw. Token Sale kann bei ganz grober Betrachtung tatsächlich mit dem eines IPO verglichen werden. Grundsätzlich können folgende Phasen unterschieden werden:

Üblicherweise läuft ein ICO. Bzw. Token Sale in folgenden Schritten ab:

  1. Ankündigung des ICO bzw. Token Sales
  2. Festlegung der Angebots-/Vertragsbedingungen: u.a. Zeitraum, Emissionsvolumen, d.h. (Höchst-) Menge der auszugebenden Tokens, Ausgabepreis/Umtauschverhältnis, Rechte aus dem Token
  3. Erstellung des White Paper und der T&Cs
  4. Veröffentlichung des White Paper und der T&Cs
  5. Marketing / Road Show
  6. Programmierung des Smart Contract (z.B. ERC20 Token Standard im Falle eines ICO oder Token Sale auf Ethereum)
  7. „Zeichnungsphase“, h. der Zeitraum in dem die Coins / Tokens erworben werden können
  8. Transfer, d.h. Auslieferung, der erworbenen Coins / Tokens

Bei dem dargestellten Ablauf handelt es sich allerdings nicht um einen festen Standard. Im Einzelfall kann sich der Ablauf daher auch anders gestalten. Insbesondere ist denkbar, dass weitere Zwischenschritte hinzukommen (z.B. Abstimmung mit Aufsichtsbehörden, Erstellung weiterer Dokumente, KYC-Prüfungen).

Im nächsten Teil unseres Leitfadens werden wir auf die (aufsichts-) rechtliche Einordnung von Coins bzw. Tokens eingehen und die daraus resultierenden praktischen Konsequenzen für einen ICO bzw. Token Sale beleuchten.

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